„Kinderschutz nicht mehr gewährleistet“

Laut Senat kann der Kinderschutz in Berlin „nicht mehr gewährleistet“ werden. Die Verwaltung verspricht zwar Hilfe – aber bis die kommt, dürfte es noch dauern.

Die Berliner Senatsverwaltung für Jugend und die Bezirke sind sich darin einig, dass der Kinderschutz in der Hauptstadt „nicht mehr gewährleistet werden kann“. Deshalb haben sie sich mit der Senatsverwaltung für Finanzen auf Maßnahmen geeinigt, wie die personelle Notlage der Sozialen Dienste in den Jugendämtern bekämpft werden soll. Dies geht aus einem Eckpunktepapier des Senats hervor, das dem Tagesspiegel vorliegt. Es enthält neben einer alarmierenden Bestandsaufnahme Verabredungen, wie der Senat die Lage verbessern will.

Zwar wird in dem Papier nicht ausgeführt, was das konkret bedeutet – für die betroffenen Kinder, die mangels Hilfe verwahrlosen oder familiärer Gewalt ausgesetzt sind. Aber die Not wird immerhin als so groß angesehen, dass der Senat zu konkreten Schritten bereit ist, um die personelle Lage in den Jugendämtern zu verbessern.

Nicht zuletzt geht es um Geld: Dass mehr aufgewendet werden muss, ist von Verwaltungsseite klar, muss aber Anfang 2019 erst noch auf Länderebene verhandelt werden. Im Eckpunktepapier wird die Einkommensstufe E10 für die Mitarbeiter – statt bisher E9 – als Ziel formuliert, wobei die Berufsverbände sogar E11 fordern.

Akute Personalnot in den Ämtern

Die Gelegenheit ist günstig, denn bundesweit sind Sozialarbeiter knapp. Das treibt die Preise hoch – wie zuletzt bei den Grundschullehrern. Denn die Personalnot der Jugendämter ist vergleichbar mit der in den Schulen, nur dass sie weniger auffällt. Wer Hilfe vom Jugendamt braucht, ist meist viel zu sehr mit sich und seinen Problemen beschäftigt, um lauthals die Personalknappheit zu beklagen. Deshalb sind es immer wieder die Sozialarbeiter und Jugendamtsleiter selbst, die auf die Not der Kinder und Familien aufmerksam machen müssen.

Was los ist in diesen Ämtern, veranschaulichen die Vergleichszahlen, die der Senat in seinem Eckpunktepapier zusammengetragen hat: Während der Anteil der unter 21-Jährigen um 22 Prozent wuchs, ist der Gesamtbetrag für die sogenannten Hilfen zur Erziehung seit 2010 von 408 auf 560 Millionen Euro gestiegen – ein Plus von 37 Prozent. Wobei die bezirkliche Entwicklung sehr unterschiedlich verläuft: Während die Ausgaben in Pankow und Reinickendorf um 17 und 18 Prozent stiegen, schnellten sie in Marzahn-Hellersdorf um 85 Prozent hoch. Ob das nur mit der sozialen Schieflage des Bezirks zu begründen ist oder auch mit Fehlern im System, ist unklar.

Klar ist hingegen, dass parallel zum Anstieg der Zahl Hilfesuchender die Zahl der Mitarbeiter sank, weil frei werdende Stellen nicht besetzt werden können oder sofort wieder vakant sind. Manche Jugendämter sind so heruntergewirtschaftet, dass neue Kräfte sofort die Flucht ergreifen. Um dies zu ändern, soll vermieden werden, dass eine Kraft mehr als 65 Fälle bearbeiten muss. Diese Obergrenze, die schon lange von den Fachleuten genannt wird, wird nun auch von der Senatsverwaltung für Finanzen als „relevanter Orientierungsrahmen“ anerkannt – aber nicht verbindlich festgelegt.

haben.

Protestaktion in Berlin

 

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https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/soziale-dienste-%E2%80%9Ekinderschutz-nicht-mehr-gew%C3%A4hrleistet%E2%80%9C/ar-BBPPZ5A?li=BBqg6Q9

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