Im Zweifel lieber wegnehmen?

Alle 15 Minuten nehmen Mitarbeiter von Jugendämtern ein Kind in Obhut ­so oft wie nie zuvor. Und immer zu Recht?

Von Katrin Hummel

Es ist ein Samstagvormittag im April letzten Jahres in Koblenz, als der kleine Max vom Wickeltisch fällt, während seine Mutter sich zum Windeleimer hinunterbeugt. Die Mutter und die zufällig anwesende Großmutter bringen ihn sofort ins Krankenhaus. Die Ärzte sagen, Max (der eigentlich anders heißt) sei unverletzt, müsse aber 24 Stunden zur Beobachtung bleiben. Danach darf der Junge wieder nach Hause.

Am Mittwoch darauf entdeckt die Mutter eine Beule am Kopf ihres Sohnes und bringt ihn abermals ins Krankenhaus. Dort wird auf ihren Wunsch hin ein Ultraschall angefertigt – was zuvor nicht geschehen ist – und ein Schädelbruch festgestellt Die Klinik informiert nach Rücksprache mit der Abteilung für Rechtsmedizin an der Uniklinik Mainz das Koblenzer Jugendamt, weil die Mainzer Ärzte davon ausgehen, dass nicht der Sturz vom Wickeltisch, sondern ein zweiter Vorfall, der sich erst danach ereignet hat, zu dem Bruch geführt haben müsse.

Ein Mitarbeiter des Jugendamts will Max daraufhin den Eltern wegnehmen, ihn also in Obhut nehmen, was die Eltern im Beisein ihres Anwalts und einer Krankenhausärztin nur verhindern können, indem sie gegenüber dein schnell eingeschalteten Familiengericht einwilligen, Max und seine Mutter in eine Mutter-Kind-Einrichtung einzuweisen.

Als der Anwalt der Eltern versucht, beide dort herauszuholen, fordert, so erinnert sich die Mutter, der Mitarbeiter des Jugendamts sie auf, den Juristen zurückzupfeifen: Sonst werde der Junge eben in Obhut genommen.

Dieses forsche Vorgehen ist kein Einzelfall: Seit mehr als zwanzig Jahren steigt die Zahl der Kinder, die ihren Eltern von den Jugendämtern weggenommen werden. Betraf es 1995 rund 22 000 Kinder und Jugendliche, waren es 2006 schon mehr als 39 000, also fast doppelt so viele – und dabei sind die vielen Minderjährigen, die als unbegleitete Flüchtlinge ins Land kamen, nicht einmal mitgerechnet. Das bedeutet: Etwa alle 5 Minuten wird ein Kind, das in Deutschland lebt, in Obhut genommen. Mit der Absicht, dass es ihm dort, wo es dann hinkommt, besser gehen wird: in einer Pflegefamilie oder im Heim. Aber ist das wirklich in jedem Fall so? Und ist die Inobhutnahme in jedem Fall gerechtfertigt? …

Dieser Beitrag erschien in der FAZ. Ein Link ist nicht vorhanden.

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https://jugendamtspresse.wordpress.com/2018/10/21/im-zweifel-lieber-wegnehmen/

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